‘IKEA of Sweden in Sweden’ – by an Austrian …

Deutsch:

(English version on enquiry)

 

… oder “True Lies”, wie Arnold Schwarzenegger vielleicht sagen würde. Der ist ja auch irgendwie zwischen den Nationen verteilt und hat vielleicht eine ganz eigene Sicht der Dinge. Aber wer weiß das schon? Meine Güte, das ist ein unglaublich blöder Titel, oder? Gut, dass es nur ein Plagiat ist. Denn darum geht’s gleich!

Jetzt ist es natürlich so, dass IKEA (in allen Ländern außer Österreich mit dem extra darauf hinweisenden Nachsatz “of Sweden”) Teil dieser überall hochgelobten skandinavischen (besonders der schwedischen) Kultur ist, die zu ergründen, unter anderem, zu meinen ausgemachten Zielen gehört und die die Wahl dieses fernen Studienortes maßgeblich mitbestimmt haben;  IKEA als Unternehmen ist Teil der schwedischen Design-, Architektur- und Möbelbautradition, Verbreiter, Vervielfältiger und Verkäufer, Modernisierer und Megalomanufakteur – in gewisser Weise sogar eine Weiterentwicklung. Aber wenngleich der Erfolg des Unternehmens auch anfänglich fast ausschließlich auf dessen Exportprodukt, nämlich einer Reihe von Kulturtechniken aus einem ganzen Kulturkreis, basierte, kann man IKEA heute nur noch schwer vorwerfen, schwedische Traditionen billig zu verkaufen – nicht nur, weil die oft gar nicht so billig zu haben sind. Unzählige Innovationen, ausgeklügelte Geschäftsmodelle und eine geschickte Verbindung alter Traditionen und frischen Designs haben das Unternehmen groß, sehr groß gemacht – so groß, dass ich mich manchmal frage, wann IKEA seine eigene Währung drucken wird. Die Idee zu IKEA war ein rollender Stein auf einem steilen Abhang, hat sich zu einer interessanten Eigenmarke entwickelt und heute verbringen Familien aller Bevölkerungsschichten ganze Tage dort, ohne dass irgendjemandem langweilig wird. Sei ehrlich: Hej, willst Du zu IKEA fahren?

Was ich an IKEA Möbeln und dem ganzen irrational sympathischen Mythos so schön finde, ist, dass egal, was Gegenstände kosten, immer an das Objekt im Raum gedacht wird – Funktionalität und optische Integrität stimmen fast immer, geschmacklich gibt es ein breites Spektrum zwischen Kitsch, Kunst und sachlicher Nüchternheit. Legt man preislich einen drauf, bekommt man edlere Materialien und angenehmeres Raumklima, eine weitere Preisklasse höher liegt schließlich sogar irgendwo eine Art Eleganz. Aber der eigentliche Grund, warum dieser Post so heißt, hat natürlich mit meinem ersten Besuch bei IKEA of Sweden – in Sweden – zu tun!
In der naheliegenden, 300.000 Einwohner zählenden Stadt Malmö, 10 Minuten mit dem Öresundzug entfernt, liegt das nächste IKEA Möbelhaus. Ein gewohntes Bild – ein IKEA, wie er fast überall auf der Welt stehen könnte, außen blau-gelb und irgendwie industriell, innen voller Wohnlichkeit, dem Duft herrlich frischer Möbel und den Menschenmassen, die sich schon vom Parkplatz durch die schlecht funktionierende Drehtür hereinwurschteln. Auffallend: Alle Plätze nahe dem Ein- und Ausgang sind extra breit und mit großen, blauen Symbolen bemalt – reserviert für Familien mit Kindern (das heißt bei uns doch immer noch “Frauenparkplatz”, oder?)  und gehandicapte Kunden. Natürlich gibt es die selben Produkte – wir sprechen immerhin von einem multinationalen Großkonzern – und das hat den lustigen Nebeneffekt, dass Schweden im Ausland auch gerne bei IKEA essen und vor allem Essen einkaufen – laut meiner Schwedischlehrerin Angelica kaufen ihre Eltern liebend gerne schwedischen Schnaps bei IKEA, wenn sie sie in Österreich besuchen kommen und nehmen haufenweise davon mit nach Schweden (ist das dann Import, oder Export?). Aber Schweden und Alkohol ist eigentlich ein eigenes Thema…

Abgesehen davon, dass eigentlich alles auch in Graz hätte sein können, war dieser Besuch von belustigenden Erkenntnissen zu den Produktnamen begleitet (ich hatte nämlich ein Wörterbuch mit!) – so heißt zum Beispiel die bequeme und eigentlich sehr breite Sesselserie “Poäng” (sowohl bei IKEA Schweden, als auch in Österreich gleich) übersetzt eigentlich “Punkt” oder “Pointe” – was nun einerseits lustig ist, weil es im Schwedischen eine leicht ironische Hommage an die Spitzensitzqualitäten der Stühle ist, in der deutschen Nichtübersetzung aber einen noch ‘pointierteren’, hoffentlich unfreiwilligen Sarkasmus enthält! Tatsächlich war ich allerdings auch ein bisschen enttäuscht darüber, dass viele der Namen, die ich für unglaublich gute Wortspiele hielt (IKEA hat diese Designer/Architekten/etc.-Krankheit, alle Dinge mit offensichtlich dümmlichen Wortspielen [mittlerweile wird das ja fast von einem erwartet… “Ich designe einen Stuhl für das Schulwesen … ich nenne ihn … hm … SCHtOOL!” ] zu benennen, ja irgendwie mitbegründet und schon in den 80ern großzügig drauf verzichtet, Gegenstände nur durch das Anhängen des Suffix ‘ex’ and zu betiteln (WettEX? FedEX? FunEY?!), eigentlich einfach schwedische Funktionserklärungen sind (‘fixa’ heißt zum Beispiel einfach ‘befestigen’ auf schwedisch), zufällig entstehen, oder schon im Original ein Wortspiel sind, das aufgrund der Sprachverwandtschaft sinngemäß auch im Deutschen ankommt.  Sorry, folks, die Abteilung, die sich die lustigen Namen für IKEA Möbel ausdenkt, ist also nur ein Mythos. BUSTED!

Neben der Besorgung wichtiger Alltagsgegenstände (KAFFEEEEEMASCHINE!) und der Auffrischung des Geschirrvorrates spielte ich auch kurz mit dem Gedanken, ein paar Bücher aus den Regalen in den IKEA Wohnzimmern mitgehen zu lassen und damit mein eigenes, bisher recht mageres Bücherregal nach dem codex bohème-bourgeois (kurz: bobo) mit mehr prestige intellectuel zu füllen. Aus den ganzen Überlegungen heraus, ob in schwedischen IKEA-Einrichtungshäusern die Deko-Bücher wohl auch auf schwedisch wären, ob eine Reihe schwedischer Nationalliteratur und anderer Titel mit lauter ‘å’s im Bücherregal eines A1-Nieveau-lers nicht unglaublich cool aussehen würden (then again – wieder nur für die, die nicht flüssig schwedisch sprechen…), bzw. darüber, welche Sprache für die Schweden dem verständlich-Unverständlichen des Schwedischen für uns Deutschsprachige nahe käme, sah ich einfach nach. BAMM! (Zugegeben – nicht ganz ohne die Hoffnung, mit einem einzigen Stolperschritt in ein Arsenal deutscher Bücher meine Unwissenheit über die nationale Literatur meines aktuellen Heimatlandes auszumerzen). Die Frage, warum IKEA sich eigentlich die Mühe machte, alle Schauräume mit unverständlichen Büchern zu füllen, vergaß ich allerdings, als ich Buch um Buch öffnete und mich der Anblick dieser gewaltigen Sammlung an durchaus lesenswerter Litertur in ganz neue Dimensionen der Überlegungen zur Bedeutung des sozialen Wohlbefinden innerhalb eines Sozialstaats und des eigeninitiierten Engagements heimischer Großunternehmen darin stürzte und ich mich mit dem sich aufdrängenden Gedanken, ob man in Schweden mit der IKEA Familycard wohl auch so etwas wie einen Bibliotheksausweis erwarb, ins Restaurant aufmachte um tausende Kilometer von zu Hause zu essen, was hier zu Hause war. Köttbullar (gesprochen: ‘Schöttbüllar’) med Lingonsylt und dieser seltsamen braunen ‘Sås’, die so gar nicht zu den Gehacktballen passen will und mit dem Rest des Gerichts nichts gemeinsam hat außer, dass man von beidem nicht wissen will, was da drin ist. Namm!  (: